Das Land Bolivien

Für viele Menschen ist Bolivien ein relativ unbekanntes Land. Manche verbinden mit ihm die Kultur und die Geschichte der Inkas, den Anbau von Coca und Café oder die typisch indigenen Trachten mit den Hüten der einheimischen Bevölkerung. Auch touristisch ist Bolivien nur wenig erschlossen und daher hauptsächlich bei Rucksacktouristen beliebt.

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Von seinen Landschaften, der Vegetation, der Biodiversität bis hin zu den Menschen und ihrer Kultur, ist Bolivien ein vielfältiges Land. Situiert im zentralen Südamerika, ist Bolivien in neun Departamentos (ähnlich unsereren Bundesländern) auf einer Fläche von insgesamt 1,098,580 km² eingeteilt und dadurch das fünftgrößte Land Lateinamerikas. Im Westen und Nordwesten grenzt Bolivien an Peru, im Norden und Osten an Brasilien, im Süden an Argentinien und Paraguay und im Westen an Chile. Die Hauptstadt Sucre mit ca. 200.000 Einwohnern liegt relativ zentral im Landesinneren. Der Regierungssitz hingegen ist das im Norden des Landes gelegene La Paz mit über 1.000 000 Einwohnern. Die Stadt liegt 4000 Meter hoch und ist dadurch die höchstgelegene Großstadt der Welt. Das Land Bolivien lässt sich geographisch grob in zwei Bereiche einteilen: Das Hochland der Anden, der Altiplano, im Westen und das tropische Tiefland, die Yungas, im Osten.

 

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Das bolivianische Hochland an der chilenischen Grenze

Die Amtssprache Boliviens ist Spanisch, jedoch zählen auch die indigenen Sprachen Quechua, Aymara und Guarani zu den offiziellen Sprachen des Landes und werden von über 36 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Mehr als 60 Prozent der Bewohner sind indigener Abstammung. Besonders bemerkenswert ist die gesellschaftliche Struktur. In Bolivien lebt die alte Tradition der indigenen Völker mit der westlich geprägten Kultur und einer wachsenden, modernen Infrastruktur Seite an Seite. Im Januar 2006 wurde der linksgerichtete Präsident Juan Evoristo Morales Ayma (kurz: Evo Morales), als erster indigener Präsident Boliviens in sein Amt berufen, nachdem er im Dezember 2005 mit 54 Prozent der Wählerstimmen eine klare Mehrheit erzielte. An den Präsidenten werden hohe Erwartungen gestellt, die vor allem die soziale Sicherung der Bevölkerung betreffen.

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Rosemary im Kindergarten in Lagunillas

Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Rund 40% der Menschen leben in extremer Armut, während ca. 10% der Bewohner rund 40% des gesamten Einkommens besitzen. Von der teilweise großen Armut und der mangelnden medizinischen Versorgung in den ländlichen Regionen sind vor allem Kinder betroffen. Trotz der sozialen und gesellschaftlichen Probleme, kann man überall in Bolivien etwas beobachten, was die Menschen und ihre Mentalität ausmacht: Scheinbar ungeachtet ihrer Probleme, verfügen sie über eine grenzenlose Lebensfreude und Dankbarkeit für das Wenige, was sie besitzen. Diese Lebensfreude zeigt sich auf vielfältige Weise. Im Alltag wird sie in einer unermüdlichen Geduld, einer großen Hilfsbereitschaft – auch Fremden gegenüber, sowie in einer grundsätzlichen Dankbarkeit für das Leben selbst deutlich.
Stand März 2015

„Sie verletzen mich eure Plakate über uns
Ich schäme mich, Ich schaue weg
Ausgemergeltes Indiokind am welken Busen seiner Mutter
Ausgedörrte Steppe mit verendender Kuh
Geschundener Indio schleppt erdrückende Last
Nicht dass es das nicht gibt, aber das ist nur eine Seite
Es geht uns auch gut

Wir festen
Wir feiern
Wir lieben
Wir essen
Wir trinken
Wir spielen
Wir tanzen

Und niemand spricht von unserem Lächeln.“

(aus dem Buch „Und niemand spricht von unserem Lächeln“, von Josef Schicker)